
Format: Hybrid-Dokumentarischer Medienkunstfilm / Audiovisuelle Installation
Projektteam: Mischa Schaub (Konzept/Design), Stephan Burckhardt (Film/Produktion), Bettina Wilhelm (Film/Regie)
1. Die künstlerische Vision: Die Karawanen von El Cubado
Unser Medienkunstprojekt operiert an der Schnittstelle zwischen digitaler Synthese und haptischer, industrieller, handwerklicher und gesellschaftliche Realität.
Den erzählerischen Rahmen bildet die fiktive Welt von „El Cubado“. Von El Cubado weiss man wenig. Die Karawanen dieser magischen Stadt tragen den alten Namen durch die Welt, wohin sie vor Urzeiten ausgesandt wurden. Wirklich angekommen sind sie dort jedoch nie, und ihre Nachkommen wollen Aussenseiter bleiben, angesichts einer gnadenlosen Industrie, der sie überall begegnen.
Die Protagonisten dieser Welt nennen sich fabets. Und daraus sind sie als Würfelwesen auch gebaut. In langen Trecks bewegen sie sich durch Bilder der KI und treffen dabei auf reale Materialien, Landschaften und Formen des Handwerks. In Oasen und an Wasserstellen treffen Handwerk und Hacking aufeinander, Robotik und Steinzeit, Improvisation und Präzision. Gemeinsam träumen die fabets vom Bau einer Arche, in der sie alle realen Materialien und materiellen Künste sammeln und retten wollen, bevor alles im digitalen Orkus zu verschwinden droht. El Cubado bleibt fern und unerreichbar, doch klingt die alte Heimat immer mal wieder an, in einer wilden Handlung, bei einer Reparatur, als Sehnsucht.
2. Das reale Artefakt: Eine Plattform für zirkuläre Mikroproduktion
Dieser poetischen, KI-generierten Sehnsucht steht eine konkrete, physische Realität gegenüber, die wir für dieses Projekt und die Welt entwickelt haben: fabets ist nicht nur Fiktion, sondern ein reales System für zirkuläre Mikroproduktion. Wir haben einen Weg gefunden, einen sieben Meter langen, tragenden Stahlträger in ein gewöhnliches Postpaket zu packen. Diese extreme Kompression bietet uns das fehlende strukturelle Rückgrat für die Kreislaufwirtschaft.
Unsere Lösung basiert auf einer einzigen, optimierten Komponente: einer quadratischen, 75 Millimeter grossen, tiefgezogenen Stahlschale, die wir fabets nennen. Sechs fabets schnappen einfach zusammen, um einen hohlen Würfel zu bilden – entweder von Hand oder durch eine von uns entwickelte portable Assembler-Einheit. Durch das Einfädeln von Dyneema-Seilen oder Standard-Spanngurten durch die hohlen Kanten spannen wir die Struktur vor und verwandeln dünnes 0.3 Millimeter Stahlblech in einen belastbaren Träger. Um die Wirkung zu skalieren, ist unser Ökosystem geteilt: Die industriell gefertigten Pressteile bilden das zum Patent angemeldete physische Rückgrat, während alle CAD-Dateien und Verbindungslogiken strikt Open Source sind. Dies ermöglicht es jedem, lokal Adapter zu drucken und eigene Hüllen (Skins) zu erschaffen.
3. Die mediale Aktion: The Distributed Apartment
Der Film dokumentiert die reale Kollision dieser beiden Welten. Mit der Aktion „Distributed Apartment“ machen wir vom Verein fabets.builders uns auf den Weg. Wir rüsten dazu Designschulen, FabLabs und Grassroots-Communities mit einem Basis-Kit unserer fabets aus, stellen ihnen das strukturelle Skelett zur Verfügung. Sie liefern die Haut – unter Verwendung lokaler Rezyklate, regionaler Handwerkskunst und 3D-Druck –, um anpassungsfähige und expressive Strukturen zu bauen. Wir schleppen dann die ganze Baggage nach Hause, mit all den Begegnungen und Erfahrungen, die wir dabei hoffentlich noch machen und dokumentieren dürfen. Die Entwürfe der Miitwirkenden bilden die Grundlage für unseren installativ-filmischen Medienauftritt an der Ars 2027.
Ästhetische Umsetzung und Relevanz: Der Film „El Cubado“ verwebt die klassischen, von Burckhardt und Wilhelm realisierten dokumentarischen Aufnahmen dieser realen Reise nahtlos mit den synthetischen KI-Bildwelten der fiktiven fabets, Die audiovisuelle Reibung zwischen der präzisen industriellen Massenproduktion (0.3mm Stahl) und ihrer improvisierten Nutzung durch lokale Anwenderinnen bildet den visuellen Kern des Werks. Damit erfüllt das Projekt Ansprüche an eine zeitgenössische ästhetische Praxis, indem es den drohenden Verlust des Haptischen im digitalen Zeitalter mit einem radikalen, Open-Source-basierten Gegenentwurf beantwortet.
Trägerschaft, künstlerische Unabhängigkeit und Projektstand
Die Trägerschaft: Der Nonprofit-Verein fabets.builders Das Medienkunstprojekt „El Cubado“ und die Dokumentation von „The Distributed Apartment“ sind eigenständige künstlerische Werke. Die Trägerschaft für den Film liegt beim Basler Nonprofit-Verein fabets.builders. Während die eigentliche Herstellung der Elemente industriell erfolgt und IP-rechtlich geschützt wird, widmet sich der Verein fabets.builders der soziokulturellen, künstlerischen und Open-Source-basierten Erweiterung dieses Systems. Der Film nutzt das fabets System lediglich als physisches Artefakt und Anlass, um existenzielle Fragen zu Materialkultur, KI-Utopien und dem Verlust manueller Fähigkeiten im digitalen Zeitalter zu verhandeln.
Drei parallele Umsetzungsebenen in der Schwebe Das Projekt fabets gewinnt zur Zeit Dynamik. Um die gesellschaftliche, technologische und industrielle Realität aufzubauen, mit der sich unser Film künstlerisch auseinandersetzt, haben wir die Umsetzung auf drei Ebenen strategisch aufgeteilt. Für diese Ebenen sind Anträge pendent, deren Entscheide sich bis Mitte Juni hinziehen werden. Wir setzen deshalb bewusst auf folgende Mehrgleisigkeit:
- Die technologische Plattform (Fokus: Impact Catalyst) Wie in unserem pendenten Antrag für die Förderinitiative Impact Catalyst formuliert, ist fabets eine Plattform für zirkuläre Mikroproduktion. Im Zentrum steht das leichtgewichtige, vorspannbare Blechelement. Der Film begleitet den Open-Source-Gedanken dieser Plattform.
- Die soziale Ebene (Fokus: Migros Pionierfonds) Lebenssituationen ändern sich, der Raum bleibt derselbe. Wie im hängigen Antrag beim Migros Pionierfonds dargelegt, wollen wir die Reversibilität des Systems in Schweizer „Living Labs“ erproben. Der Film dokumentiert diese qualitative Verdichtung im Alltag.
- Die kulturelle Ebene (Fokus: Ars Electronica) Im Rahmen der Ars Electronica (Entscheid ausstehend) planen wir die konkrete Aktion „The Distributed Apartment“. Wir rüsten Maker-Labs mit dem strukturellen Stahlskelett der fabets aus, während die Community die „Haut“ aus ihren lokalen Rezyklaten und Handwerksformen liefert. Unser Film dokumentiert diesen dezentralen Prozess.
Unabhängig davon, welcher dieser Förderanträge zuerst bewilligt wird: Wir werden fabets in die Welt bringen. Wir benötigen die Unterstützung des Fachausschusses Film und Medienkunst BS/BL, um diesen Prozess durch „El Cubado“ unabhängig, kritisch und mit künstlerischem Anspruch filmisch zu dokumentieren.
